DAVE FROM HOLLYWOOD (CH/USA)
Galicia Musik Bar Olten
Sa, 12. Mai 2018, 21:00 h

Rock’n’Roll-Gourmets werden ebenso auf ihre Kosten kommen wie LiebhaberInnen des schöndreckigen Blues oder subversiver Balladen. Der Frontmann der skandalösen Tanzkapelle «Dexter Doom & The Loveboat Orchestra», der Gitarrist der fadengraden Zürcher Knüppelpopper «Strozzini», ein Kontrabassist, der vom Jazz-Trio bis zur Popband (u.a. «Scratches», «Sandro P.») elegant auf unzähligen Hochzeiten tanzt und ein amerikanischer Progrock-Schlagzeuger, der als einziger Mann je bei den legendären «Les Reines Prochaines» mitspielen durfte: das sind «Dave From Hollywood».
Die Zusammensetzung dieser Truppe liest sich wie ein fellinisches Versprechen und wer Sebučki (voc, guitar), Nahtanoj Relbug (guitars), Marco Maria (double bass) und Mr. Kerman (drums) schon live erlebt hat, weiss, dass der Meister der überschäumenden Melancholie und der wollüstigen Sehnsucht seine Freude gehabt hätte an diesen Herren.
Wie ein Film laufen auch die vier bisher via Band-Website veröffentlichten Tracks von «Dave From Hollywood» durch unsere Gehörgänge und präsentieren Szenen wie sie in einem Roadmovie, einem Film von Jim Jarmusch, Tarantino oder eben einem Fellini vorkommen könnten: ungeschminkt, leidenschaftlich, erdig und rauh, gleichzeitig tiefsinnig, ehrlich und berührend.
Beim Opener «Nuts Again» rocken und rollen «Dave From Hollywood» wütend-edgy heran, ein fetter Stones-Song mit stadiontauglicher Hookline, mehrstimmigem Gesang und rasantem Harpsolo, um bei «Humble Me» ein gutes Stück Tempo raus- und dafür bittersüsse Tragik reinzubringen. In entspannter Country-Manier breiten Gitarren, Kontrabass und Drums den Teppich für einen grossartigen Erzähler aus: «Cash meets Cave»-artig beginnt Frontmann Sebučki die Sehnsüchte des einsamen reichen Arschlochs zu zeichnen, um sie kurz darauf mit angezerrter Rockröhre vom Balkon des Penthouse Richtung Skyline zu schmettern. «Am Arsch» beginnt reizvoll reduziert mit Gesang und Basslinie und entwickelt sich – herzzerreissend schön, ohne dabei in den Kitsch zu rutschen – zum wunderbar zurückgelehnten Folkrocksong. Sebučki’s Stimme mäandert zwischen überdrehter Hochspannung und samtig durchscheinender Traurigkeit. Grosses musikalisches Erzählkino ist es, was er und seine Mannen da auspacken! «Shut The Fuck Up» schliesslich hat etwas von den grossen Rockhymnen der goldenen Siebziger: herrliche Riffs, druckvolle Rhythmsection und eine Stimme irgendwo zwischen Tom Petty und Jimi Hendrix, die uns auf einen aufregenden, wutentbrannten und energiegeladenen Trip mitnimmt und beim schrägen Jazz-/Funkoutro in Endo Anacond’scher Dialektekstase gipfelt: «Welch’ Energie, welch’ unpathetischer Pathos, welch’ Unerschrockenheit!». Ja, diese Band überschreitet Grenzen und irritiert. Licht aus, Film ab – «Dave From Hollywood» is on!
http://davefromhollywood.com // www.facebook.com/davefromhollywood

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