Alex Capus‘ Notizen

Vier Wochen Ferien sind zu viel

Alex_Ferien

Alex Capus bringt das Ferienplakat an

Ungewohnt dicke Luft herrschte in der Galicia Bar, nachdem ich das Plakat mit der Sommerferien-Ankündigung ins Fenster gehängt hatte. Scheele Blicke, unverständliches Gemurmel, unlustiges Gekicher. Als ich nachfragte, was los sei, ging’s los.
„Kannst Du nicht machen!“ sagte Urs. „Frage des Respekts!“
„Auf und zu, auf und zu“, sagte Philipp. Wie’s euch grad passt.“.
„Habt schon genug Kohle verdient, wie?“ sagte Jürg.
„Dann suche ich mir eben eine andere Stammbeiz“, sagte David.
„Ich verstehe“, sagte ich. „Wir müssen reden. Bitte hört zu.“ Dann hielt ich eine Ansprache.
„Es freut und rührt mich sehr“, sagte ich, „dass Ihr Euch in der Galicia Bar wohl fühlt. Und bitte glaubt mir, dass wir nicht zum Spass zusperren. Keiner vom Team fliegt auf die Malediven, um das Geld zu verprassen, das wir euch aus der Tasche gezogen haben. Wir bleiben alle zu Hause, soviel ich weiss. Nur André fährt mit der Eisenbahn für ein paar Tage nach Wien.“
„Wieso sperrt Ihr dann zu?“ sagte Philipp.
„Weil in den Sommerferien alle ans Meer fahren“, sagte ich. „Juli und August sind sehr stille Monate in den Binnenländern. Ganz besonders in Olten. Und erst recht an der Unterführungsstrasse.“
„Also ich fahre nicht ans Meer“, sagte David.
„Ich auch nicht“, sagte Philipp. „Ich bin doch nicht blöd.“
„Das ist schön“, sagte ich. „Mir gefallen die stillen Abende auch, an denen man nur zu viert oder fünft in der Bar sitzt. Aber wir würden jeden Abend Defizit machen.“
„Wäre das schlimm?“ sagte David.
„Eigentlich nicht“, sagte ich. „Aber die Kasse ist jetzt schon leer. Wir haben viel Geld ausgegeben seit der Eröffnung vor ein paar Monaten. Der Umbau, die Technik und die Kunst und alles. Wir können uns den Sommerbetrieb nicht leisten.“
„Vier Wochen sind zu viel“, sagte Urs. „Zwei würden reichen.“
„Vier Wochen sind ok“, sagte ich.
Urs schüttelte den Kopf. „Vier Wochen könnt Ihr nicht machen. Frage des Respekts.“
„Vier Wochen sind ok“, sagte ich.
„Eine ordentliche Bar macht keine Betriebsferien“, sagte Urs. „Ihr habt einen Auftrag. Den habt Ihr zu erfüllen.“
„Verstanden“, sagte ich. „Nächstes Jahr wird’s besser.“
„Sicher?“
„Hoffentlich. Die grossen Investitionen sind erledigt.“
„Keine Ferien mehr. Ihr habt einen Auftrag.“
„OK. Wei luege.“

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Alex Capus‘ Notizen

„Eine Bar? Das ist so etwas wie Facebook, einfach ohne Internet.“ Pedro Lenz

Alex Capus hängt den Toro auf, ein Leihgabe von Javier Castillo.
Alex Capus hängt den Toro auf, ein Leihgabe von Javier Castillo.

Die Galicia Bar gibt es seit 1969. Sie wurde gegründet von galizischen Fabrik- und Bauarbeitern, die wochentags in Baubaracken und Dachkammern hausten und in ihrer Freizeit einen Ort brauchten, an dem sie miteinander reden und tanzen, essen und trinken, Musik machen oder auch einfach mal Real-Barcelona gucken konnten. Dieser Ort ist die Galicia Bar noch immer

Zwar haben sich die Zeiten geändert. Viele Galizier der ersten Generation sind während der Boom-Jahre nach Spanien zurückgekehrt, und ihre Kinder, die mit der Galicia Bar aufgewachsen sind, wohnen längst nicht mehr in Baracken oder Dachkammern, sondern in komfortablen Wohnungen. Aber auch wenn heute fast jeder einen Flachbildschirm und einen privaten W-Lan-Zugang hat, braucht es doch weiter einen Ort wie die Galicia Bar, in der wirkliche Menschen einander real begegnen.

Denn die wirklich wichtigen Dinge des Lebens geschehen nicht im Internet. Freundschaft und Liebe brauchen einen realen Ort, an dem sie sich entfalten können. Fürs Essen braucht‘s Messer und Gabel, fürs Trinken einen Tresen. Musik, Theater und Literatur brauchen eine Bühne. Wer spielen will, braucht richtige Karten, ein reales Schachbrett oder einen echten Billardtisch.

Für all das steht die Galicia Bar. Unsere Bar führt ein hochwertiges Sortiment mit vielen lokalen Produkten zu moderaten Preisen, und im Keller braut die Hausbrauerei „Drei Tannen“ das einzige echte Oltner Bier. Es ist herb und würzig, mit Sorgfalt ohne künstliche Zutaten gebraut.

Alex Capus, 7. Mai 2014

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Reto’s iPad-Impressionen (01)

„Night Hawks“

Foto„Eine Rauchpause und ein verstohlener Schnappschuss vor der Bar. Jetzt wird mit dem Finger auf dem gläsernen Display ein Artwork daraus gezaubert. Mir gefällt dabei vor allem die mögliche Unmittelbarkeit des Mediums.“

Por_PfisterDer Oltner Grafiker und Künstler Reto Pfister arbeitet gerne schnell und intuitiv mit seinem iPad, zeichnet Momente auf, sammelt Eindrücke. Für uns macht er das auch ab und zu in der Galicia Bar.

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