Cormund’s Bargeschichten

Corinne_KolummneHinter „Cormund“ steckt die Oltner Journalistin und Autorin Corinne Remund, die direkt hinter dem Galicia wohnt, Stammgast und liebe Freundin des Hauses ist. Sie schreibt für uns sporadisch kurze Geschichten rund um die Galicia Bar.

 

Der Spanier an der Ecke

Das erste Mal ist immer etwas Besonderes  – egal ob der erste Kuss, der erste Lippenstift, die ersten Netzstümpfe und Higheels, die erste Zigarette, der erste Rausch oder die erste Geburt. Solche Premieren sind aufregend, beflügeln  einem und sorgen für frischen Wind in der alltäglichen Routine. Genauso ergeht es mir mit dem Galicia. Ihr denkt jetzt, „Die Frau hat wohl noch nie eine Bar von Innen gesehen“, so ist es ganz und gar nicht: Aber in meinen bald 40 Lebensjahren gab es noch nie ein Lokal, das ich regelmässig besuchte und als Stammgast ein- und ausging. In meinem Leben existierte eine richtige Stammkneipe schlicht und einfach nicht. Schon immer wünschte ich mir eine solche Begegnungsstätte, wo die Zeit ein Weilchen stehen bleibt und das einzige ernsthafte Problem ein streikender Bierzapfhahn ist. Ich wünschte mir eine Stammkneipe wie sie in romantischen Filmen und Romanen beschrieben wird. Eine Stammkneipe, wo sich Hase und Fuchs – in diesem Fall Stier und Elch – gute Nacht sagen. Eine Stammkneipe, wo Jung und Alt, vom Briefträger bis zum Manager, einfach jedermann, egal welcher Couleur oder politischer Einstellung, willkommen ist. Eine Stammkneipe, wo politisiert, debattiert, diskutiert, sinniert, getanzt, geflirtet, geküsst, getrunken und ganz einfach dem Leben gefrönt wird.
Und jetzt komme ich fast wie die Jungfrau zum Kind, zu einer solchen Stammkneipe – keine zehn Schritte von meiner Wohnung entfernt. So gilt am Morgen der erste Blick aus meinem Schlafzimmerfenster der frisch renovierten Hinterseite des „Galicia“.

Der Blick aus Corinnes Fenster auf das Oberlicht und den hinteren Teil des Galicia.
Der Blick aus Corinnes Fenster auf das Oberlicht und den hinteren Teil des Galicia.

Die  blau-weiss gestrichene Fassade erinnert mich an griechische Postkartenidyllen und weisse Sandstrände. Zusammen mit meiner weissen Katze auf dem Fensterbrett habe ich hinter meinen luftigen blauen Vorhängen die verschiedenen Phasen der Renovation vom grünen Anstrich über den Einbau der runden Fenster im Landhausstil bis hin zum blau-weissen Ferienatmosphären-Look hautnah mitbekommen. Und abends dringt ein feiner Lichtstrahl durch die Oberfenster der Bar und weckt in mir Bilder der einmaligen Lichterpyramide des Pariser Louvre. Nicht nur örtlich, auch akustisch gehört die Lokalität so quasi zu meinem Vorgarten. So vermischen sich am Freitag- oder Samstagabend die popigen Klänge und der dröhnende Bass der Disco oder eines Konzertes mit dem rhythmischen Donnern der Güterwagen. Zwischen den offenen Klappfenstern entweichen sehnsüchtige Melodien, Popbaladen, rockiger Klänge und Ohrwürmer vergangener Zeiten und wehen zusammen mit dem lauen Sommerlüftchen direkt in meine Stube. In den Armen des Spaniers an der Ecke fühle ich mich aufgehoben und geborgen. Hier kann ich gute wie auch schlechte Tage zu einem veritablen Ende bringen und in entspannter Atmosphäre ausklingen lassen. Die dezent bunten Lichtkegel nähren meine Träume und Sehnsüchte. Fast zärtlich legt der Spanierin in besonders  sinnlichen Nächten einem Arm um meine Schultern und zieht mich aufs Tanzparkett, wo ich in schnellen, rhythmischen Schritten über den bald 50 jährigen Boden wirble, mich in Pirouetten und anderen Formen verliere, meine Seele im Takt der Musik baumeln lasse, um im selben Moment durch den festen Griff des Spaniers in die Realität zurückgeholt zu werden. Er ist der Hausherr und gibt den Takt an. Er versteht es meisterhaft, meine Launenhaftigkeit zu relativieren und neutralisieren, mir Komplimente zu machen und mich im grossen Spiegel wie eine Ballkönigin aussehen zu lassen. Er gibt mir die nötige Bodenhaftung und steckt mich mit seinem herzhaften Lachen an.
Die Alltagssorgen wischt er mit einem Wink weg und schenkt mir dafür ein Strauss filigran gewobener Träume und Illusionen. Er entführt mich in andere Gefilde jenseits des Fassbaren. Und erhebe ich mich dann zu später Stunde aus seinem Schoss, betäubt von Glück und Heiterkeit, so streicht er mir sanft übers Haar und küsst mich zärtlich. Ich verliere mich noch ein letztes Mal in seinen glitzernden, schalkhaften Augen und spüre seinen rauchigen Atem. Mit einem sanfte Schubs bugsiert er mich über die Türschwelle und wünscht mir süsse Träume. Und wenn der Mond klar und hell am Himmel steht, höre ich seine Atemzüge, mal still und leise, dann rasselnd und laut.

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Ab 11. August wieder offen

Die Galicia-Bar öffnet ihre Tore wieder

Liebe Freunde, liebe Gäste

Galicia7Tage offen_konAb Montag, 11. August, ist die Galicia Bar wieder täglich um 16 Uhr geöffnet! Die Ferien waren ein bisschen zu lang, wir geben es zu. In der Zwischenzeit haben wir geputzt und aufgeräumt und ein bisschen umgebaut. Jetzt freuen wir uns auf Euch, Drinks und Chorizos stehen bereit! Che hat wieder eine schöne Konzertreihe zusammengestellt – der Herbst kann kommen!

Das erste Konzert der Saison 14/15 am Freitag, 15. August 14, beginnt gleich mit einer Bluesgittare-Delikatesse: Larry Corsa and Friends zelebrieren den Blues von Peter Green’s Fleetwood Mac.
Der Gitarrenbauer und Musiker Larry Corsa aus Allentown im Osten des US-Bundesstaates Pennsylvania war Ende der 60-er Jahre ein glühender Fan der englischen Band Peter Green’s Fleetwood Mac. Musik war schon damals sein Leben und er war privilegiert, die Jimi Hendrix Experience, Cream und eben diese Fleetwood Mac live bei Konzerten erleben zu können.
Vor allem der Sound von Peter Green’s Gibson Les Paul war es, den ihn faszinierte und schlussendlich auch der Grund ist, weshalb Larry Corsa sich vor Jahren dazu entschlossen hat, Gitarrenbauer zu werden und endlich die Gitarren zu bauen, welche vom Grundsound her möglichst nahe bei der berühmten Peter Green Les Paul mit dem Kosenamen „Greeny“ liegen.

Plaki_Corsa_netDazu hat er in akribischer Arbeit eigene Tonabnehmer; die Manalishi-Pickups entwickelt, entsprechende Hölzer gekauft und baut als Einmann Unternehmen in Allentown seine Corsa Gitarren.
Nebenbei spielt er immer wieder Konzerte, u.a. auch im B.B. Kings Blues Club in New York, welche ausschliesslich aus Songs von Fleetwood Mac aus der Blues Aera mit Peter Green stammen.
Als Anlass des 4. Treffens aller Corsa Gitarren Besitzer in der Schweiz tritt er mit einer speziell für diesen Anlass zusammengestellten Band mit Musikern aus Schweizer Bands am 15.August 2014 im Galicia in Olten auf.
Ganz nach dem Slogan auf seiner Webseite: I don’t sell products – I sell tone! kann man sich auf einen Abend mit ehrlicher, toll klingender Gitarre und Songs aus den guten alten Tagen der British Blues Invasion mit der Larry Corsa Band & Friends freuen.

LARRY CORSA AND FRIENDS
Konzert: Freitag 15.08.14, 21.30 h – Eintritt: 15.- CHF

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Reto’s iPad Impressionen (03)

Por_PfisterDer Oltner Grafiker und Künstler Reto Pfister arbeitet gerne schnell und intuitiv mit seinem iPad, zeichnet Momente auf, sammelt Eindrücke. Für uns macht er das auch ab und zu in der Galicia Bar.

„Vinci“

Vinci„Wahrscheinlich sind es Vincenzos Energie und sein Scharfsinn, welche mich zu dieser Umsetzung animiert haben.“
Vincenzo ist Stammgast und ein lieber Freund der Galicia Bar

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Alex Capus’ Notizen

Neunmalkluge, Rechthaber und Alleswisser

Wochenlang zerbrachen sich die Gäste der Galicia Bar die Köpfe über die rätselhafte Reklameschrift, die beim Abbruch des sechsstöckigen Wohnblocks gegenüber nach vielleicht sechs Jahrzehnten wieder ans Tageslicht getreten war.

„KA- – – – DM – -, VORHÄNGE, TEPPICHE, MÖBEL“

WandSechs Buchstaben fehlten. Wie mochte der Inhaber des Möbelgeschäfts geheissen haben? Wild schossen die Spekulationen der Neunmalklugen, Rechthaber und Alleswisser ins Kraut, die in der Galicia Bar erfreulicherweise überproportional stark vertreten sind.
Ein lokaler Schriftsteller mit Hang zu historisch vergangenen Geschichten, seinerseits selber ein grosser Schwadroneur vor dem Herrn, hatte die Lösung zwar mit grosser Sicherheit schon am ersten Tag gefunden („Karl Widmer hiess der Mann, Ihr Deppen! Ist doch klar!“).
Aber da ihm die anderen nicht glauben wollten, fragte er im Oltner Stadtarchiv nach. Hier die wissenschaftlich verbürgte und deshalb doch wohl unanfechtbare Auskunft des Stadtarchivars Marc Hofer: „An der Unterführungsstrasse 29 war tatsächlich eine Möbelhandlung Karl Widmer domiziliert und zwar mindestens von 1929 bis 1958/59. Dieselbe Möbelhandlung hatte auch von 1916 bis 1958/59 einen Standort an der Liegenschaft Aarauerstrasse 31, die unmittelbar südlich an die Unterführungsstrasse 29 angrenzt.“
Da habt Ihr’s, Ihr Deppen!

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