Cormund’s Bargeschichten

Aperojazz – kehlige Klänge und ein edler Tropfen

Der Spanier ist ein hervorragender Gastgeber. Er liebt Gesellschaften, am liebsten mag er sie bunt gemischt, vom normalen Bürger über Handwerker, Arbeiter, Gelehrte bis hin zu Künstlern, Bohemiens und anderen Überlebensakrobaten. Mit dem Jazz-Apéro hat er ein Publikumsmagnet für eben eine solche heterogene Gesellschaft geschaffen. Im Zwei-Wochen-Rhythmus spielen dabei die beiden Musiker André Kunz und Roland Philipp auf ihrer E-Gitarre respektive auf dem Tenorsax. Die sehnsüchtigen Melodien des Duos zaubern zusammen mit dem gelben und pinkigen Scheinwerferlicht eine entspannte Feierabendatmosphäre in die Bar an der Unterführungsstrasse. Die mal kehligen, mal heiseren Klänge des Saxophon geben sich mit dem pragmatischen Rhythmus der E-Gitarre ein fröhliches Stelldichein. Eine Prise Melancholie lädt ein, sich gehen zu lassen, den Arbeitsalltag hinter sich zu lassen – loszulassen, die Sorgen und Nöte vor der Türe wie eine zweite Haut abzustreifen und sich ganz dem beschwingten Rhythmus der Musik hinzugeben. Atmen – geniessen – lachen!

André Kunz und Roland Philipp am Aperojazz im Galicia Olten Foto: André Albrecht
André Kunz und Roland Philipp am Aperojazz im Galicia Olten     Foto: André Albrecht

Schäumendes Bier….

Ein edler Tropfen schmeichelt dem Gaumen und lässt die Sinne tanze zu Bossa Nova, Blues, Balladen und anderen Jazz Standards. Die Gläser klingen beim Anstossen, da eine Begrüssung, dort ein Küsschen, Hände werden geschüttelt , Bärte kratzen, Parfümfahnen betören für einen Sekundenbruchteil unsere Riechzellen und Körper werden umarmt und die Bar fühlt sich immer mehr. Über all das Gemurmel erhebt sich klar und deutlich wie eine Königin in wallendem Gewand das anschwellende Forte des Saxophons. Das Licht spiegelt sich im Glas des schäumenden Biers, das der Spanier genüsslich kostet. Schaum bleibt ihm in den Bartstoppeln hängen und schon begrüsst er auf die Schulter klopfenden den nächsten Gast.

…und pinkige Lichtkegel

Stumm beobachtet Oskar, der Elch, das bunte Treiben, ein pinkiger Lichtkegel kitzelt seine Nase und er zwinkert mir zu, während ich noch rasch vor dem grossen Spiegel das Hütchen richte und mich bereit mache für die Kollekte. Ich mache die Runde, Portemonnaies werden gezückt, Batzen klimpern und Nötchen verschwinden lautlos im Kollektenkörbchen, das wohl ursprünglich mal die Funktion des Opfertopfes der katholischen Kirche  inne hatte.  Grosszügigkeit und Geiz bekommen ein Gesicht. Je später der Abend, desto red- und leutseliger der Spanier, das Bier und der Wein fliesst und der Zigarettenrauch tanzt seinen eigenen Reigen zu den befreienden Klängen vor dem Eingang des Galicia.

Der nächste Jazz-Apéro ist am Freitag, 5. Juni um 18 Uhr.

 

Corinne_KolummneHinter „Cormund“ steckt die Oltner Journalistin und Autorin Corinne Remund, die direkt hinter dem Galicia wohnt, Stammgast und liebe Freundin des Hauses ist. Sie schreibt für uns sporadisch kurze Geschichten rund um die Galicia Bar.

 

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