Cormund`s Bargeschichten

„Der Borner“ an der Wand

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Jeder, der das Galicia betritt, sieht ihn gleich auf den ersten Blick: Den unverkennbaren „Borner“,  prominent platziert vis-à-vis des Eingangs. Er wacht über dem Billardtisch  – ein farbenfroher Blickfang für jedermann. In seinem dynamischen, prächtig-barocken Stil hat der Oltner Maler Urs Borner seine Erinnerungen und Erlebnisse in dem ehemaligen Centro Galicia de Olten auf dem Bild festgehalten. Auf den drei Metern Leinwand tummeln sich die Protagonisten von einst und heute, geben sich ein buntes Stelldichein. Die Oltner Schriftstellergilde – Alex Capus mit prachtvoller Lockenmähne und der nachdenkliche Pedro Lenz, neckisch ein Buch unter den Arm geklemmt – Bardame Evi, die tätowierten Arme nach ihrem starken Freund Peter ausstreckend, sowie die Frau mit schwarzem Pferdeschwanz und kurzem Rock, versammeln sich an der Bar. Weiter umfasst das bunte Potpourri bekannte Oltner Gesichter, vermischt mit südländischen Figuren, welche die Vergangenheit dieses Lokals symbolisieren. Die Protagonisten im Vordergrund des Bildes sind Chantal mit den widerspenstigen, rotbraunen Locken und dem vorwitzigen Hündchen sowie der Maler selbst. Im Selbstportrait stellt er sich mit dem Queue schussbereit in der Hand am Billardtisch dar. Charakteristische Details wie der präparierte Stierkopf an der Wand, halbvolle Bier- und Weingläser auf den Tischen, das Filmplakat „Der Goali bin eg“ sowie eine bunte Spirituosen-Parade im Hintergrund hauchen dem Gemälde Leben ein. Sie lassen den Betrachter die spezielle Atmosphäre um Immer-Suchende, Abgestürzte, (Lebens-)Künstler, Bohemiens und brave Bürger in der Bar erahnen und fühlen.

Filigranes Netz aus Emotionen

Pinselstrich für Pinselstrich hat der erfahrene Künstler Vergangenheit und Gegenwart, seine Verbundenheit und Erinnerungen mit diesen Orten in einem schillernden Farbenteppich miteinander verwoben. Der Künstler hat ein filigranes Netz aus Emotionen, Lebens- und Trinkfreude, Lust und Melancholie, Trauer und Schmutz geknüpft. Drei Monate hat Borner daran gearbeitet. Dieser Raum sei ihm ans Herz gewachsen. Er hätte den damaligen Spanischen Club für Fremdarbeiter Ende der 80er Jahre oft am Wochenende besucht.  „Ich habe hier viel erlebt. Legendär waren hier die achtgängigen, spanischen Neujahrsessen mit Meeresfrüchten. Traditionell wurde an Silvester nach jedem Glockenschlag eine Traube gepflückt“, erinnert sich Borner. Der Billardtisch habe auch immer zum Inventar gehört: „Oft habe ich hier Carambole, das französische Billard mit drei Kugeln, gespielt“, so der leidenschaftliche Billardspieler.  Zu seinen Erinnerungen gehört auch der 11 Uhr-Apéro mit Dudelsackspiel am Sonntag. Diese musikalische Tradition haben die Spanier bis heute beibehalten.
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Treffpunkt für Stammgäste und Weltenbummler

Mit der Neueröffnung im letzten November ist im Galicia neues Leben eingekehrt. Eine neue Ära ist unter der dem „Regime“ von Alex Capus und Che angebrochen. Es weht ein frischer Wind, zusammengesetzt aus musikalischen Events, freundschaftlichem Treffpunkt und kreativer Inspiration, abgeschmeckt mit einer Prise frisch gebrautem Dreitannen-Bier. Hier treffen Ideenreichtum, Originalität, Erfindungsgabe, Schöpferkraft und Fantasie aufeinander. Das Galicia ist ein Schmelztiegel für Alt und Jung, Gestrandete und Weltenbummler, Künstler, Extravertierte, Raucher, Bierliebhaber, böse Buben und rechtschaffene Kneipenbesucher. Jedermann ist willkommen und die Gesellschaft, die hier verkehrt, ist ein buntes Gemisch, wie Borner es  treffend auf der Leinwand festgehalten hat – Vergangenheit und Gegenwart tanzen hier einen feurigen, lebensfreudigen, verruchten Tango mit dem launenhaften Spanier unter grossem Applaus der Protagonisten.

Corinne_KolummneHinter „Cormund“ steckt die Oltner Journalistin und Autorin Corinne Remund, die direkt hinter dem Galicia wohnt, Stammgast und liebe Freundin des Hauses ist. Sie schreibt für uns sporadisch kurze Geschichten rund um die Galicia Bar.

 

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